Myopiemanagement | Unser Leitfaden für Eltern

Myopiemanagement Prävention von Kurzsichtigkeit Unser Leitfaden für Eltern Was ist überhaupt Kurzsichtigkeit? Kurzsichtigkeit - auch Myopie genannt - ist ein Sehfehler, bei dem weit entfernte Dinge unscharf gesehen werden.Das Bild entsteht vor, statt auf der Netzhaut. So kommt es zu einem unscharfen Bild! In der Nähe können Kurzsichtige sehr gut sehen. Daher die Bezeichnung „kurzsichtig“! Warum entsteht Kurzsichtigkeit? Während unserer Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen wächst auch unser Augapfel mit. In den ersten 10 Lebensjahren von 22.5 mm auf 23.5 mm axiale Länge. Und wenn dieser schneller wächst und länger als 24.0 mm wird, dann wird das Bild nicht mehr auf die Netzhaut projiziert, sondern davor, also quasi im Auge. Das Auge ist kurzsichtig.

Warum wächst das Auge denn überhaupt? Die Gründe für ein Zuviel an Augenlängenwachstum sind vielfältig: Direkte Vererbung Wenn ein oder beide Elternteile kurzsichtig sind besteht ein erhöhtes Risiko, dass deren Kinder auch kurzsichtig werden. Ethnische Abstammung In Asien ist die Myopie viel weiter verbreitet als in Europa. Dort sind bis zu 80% der Bevölkerung kurzsichtig. Kein Wunder, dass die Forschungen zur Kontrolle und Korrektur der Myopie in Asien begannen! Moderne Lebensumstände Myopie, das weiß man heute, ist mit einem hohen Prozentsatz eine Reaktion auf unsere moderne Umwelt. Und die Tendenz ist weltweit steigend! Wir gucken zu lange und zu nah auf Handy, Tablet und Computer. Zeit im Freien Wir sind zu wenig bei Tageslicht im Freien. Spielt Ihr Kind länger als 2 Stunden täglich draußen?

Woran erkenne ich überhaupt Kurzsichtigkeit bei meinem Kind? Dichtes Sitzen vor Computer oder Fernsehgerät, Bücher werden nahe an das Gesicht gehalten Häufiges Zusammenkneifen oder Reiben der Augen Kopfschmerzen oder müde Augen Aufzeichnungen an Tafel oder Smartboard im Klassenzimmer werden nicht gut erkannt Ein kurzer Check bei uns schafft Klarheit! Besuchen Sie uns! Was passiert, wenn mein Kind nicht mehr richtig gucken kann? Im Allgemeinen wird bei dem Verdacht auf schlechtes Sehen die Sehstärke eines Brillenglases ermittelt. Daserfolgt entweder bei Augenärzt*innen oder Augenoptiker*innen. Die Maßeinheit für die Brillengläser ist die Dioptrie (dpt).

Aber ist Kurzsichtigkeit gefährlich? Warum Prävention? Myopie ist viel mehr als nur eine Unannehmlichkeit! Kurzsichtigkeit in der Kindheit oder Jugend zu entwickelnstellt weniger ein kosmetisches Problem dar, als vielmehrein gesundheitliches Risiko für das spätere Leben. Denn je höher die Kurzsichtigkeit wird, desto größer werdendie Risiken für schwerwiegende Augenerkrankungen im Alter. Und wir alle wollen doch in jedem Alter gut sehenkönnen! Die Tabelle zeigt den Zusammenhang zwischen derHöhe der Kurzsichtigkeit und dem Risiko irreversibler Schädigungen unseres Auges. Es kann tatsächlich bis zur Erblindung kommen! Deswegen: Jede Dioptrie zählt! Gelänge es nun, die stetige Zunahme der Kurzsichtigkeit im Kindes-, Jugend- und jungen Erwachsenenalter zu minimieren, dann könnten wir die Risiken myopiebedingter Augenerkrankungen deutlich reduzieren. Mehr Lebensqualität für alle Kurzsichtigen! Lässt sich die Kurzsichtigkeit denn minimieren? Hier kommt nun das Myopiemanagement ins Spiel, eine Therapie und zugleich Prophylaxe. Myopietherapien können das Fortschreiten der Myopie verlangsamen und sogar stoppen. Eine bereits bestehende Kurzsichtigkeit kann aber nicht rückgängig gemacht werden!

Und was genau kann man gegen das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit machen? Es gibt folgende Optionen: Spezielle Brillengläser und spezielle Kontaktlinsen. Pharmakologische Intervention mit Atropin. Allerdings empfiehlt die WHO die Anwendung auf 2 Jahre zu begrenzen. Änderung und Anpassung unserer Gewohnheiten. Spezielle Brillengläser und Kontaktlinsen? Wie funktionieren die denn? Jetzt ein Ausflug in die physikalische Optik! Klassische Minusgläser und Kontaktlinsen gleichen die Fehlsichtigkeit nur im Zentrum optimal aus. In der Peripherie kommt es zur Überkorrektur. Hier liegt die Schärfeebene hinter der Netzhaut. Das nennt man den “hyperopen Defokus” (siehe Abb.1). Dieses physikalische Phänomen regt das Längenwachstum des Auges an und fördert so ein Fortschreiten der Kurzsichtigkeit. Spezielle Gläser oder Kontaktlinsen (siehe Abb. 2) korrigieren diesen hyperopen Defokus und verhindern somit das Längenwachstum des Auges und damit einen Anstieg der Myopie.

Was ist das ideale Alter um mit Myopiemanagement zu beginnen? Je früher desto besser! Wir wissen heute, dass die Entwicklung der Myopie bereits früh beginnt. Als allgemeine Faustformel gilt: steigt die Kurzsichtigkeit innerhalb eines Jahres um -0,50 dpt. an, dann ist dies ein guter Startpunkt für das Myopiemanagement. Zudem wurde nachgewiesen, dass Myopiekontrolle zeitlich am effektivsten bei Kindern unter 12 Jahren ist. Wenn das Risiko also frühzeitig erkannt und mit der Behandlung sofort begonnen wird, dann kann die Myopieentwicklung um etwa 40-60% aufgehalten werden. Aber auch ein zu spät gibt es nicht! Momentan erleben wir außerdem ein Fortschreiten der Myopie bis ins junge Erwachsenenalter. Ein Studium mit permanenter Naharbeit sorgt für eine potenziell höhere finale Kurzsichtigkeit. Auch ein später Einstieg ins Myopiemanagement hat Sinn und kann einem Fortschreiten der Kurzsichtigkeit noch entgegenwirken!

Zahlt das die Krankenkasse? Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen diese Art der Prävention leider nicht. Noch haben die speziellen Myopiebrillengläser oder auch Kontaktlinsen keinen Einzug in den Leistungskatalog der GKV gefunden. Bei den privaten Krankenkassen sieht das anders aus. Hier sollte auf der augenärztlichen Verordnung im Idealfall der Zusatz: „2 spezielle Gläser zur Hemmung der Myopieprogression“ oder „2 peripher defokussierende Kunststoffbrillengläser“ stehen. Die Diagnose bzw. Begründung lautet: progrediente Myopie.

Was kann ich präventiv Gutes für die Augen meines Kindes tun? Durch Änderungen unserer alltäglichen Gewohnheiten können wir unsere Augen schützen. Dazu zählen: Reduktion des Nahsehens Achten Sie darauf, dass Ihr Kind Computer, Smartphone oder Tablet nicht zu lange nutzt und reduzieren Sie gegebenenfalls die Zeit in der Ihr Kind in die Nähe guckt. Jede Stunde sollte eine Pause eingelegt werden, damit sich die Augen von dem Nahsehstress erholen können. Raus, raus, raus ins Freie! Sorgen Sie dafür, dass sich Ihr Kind etwa 2 Stunden pro Tag im Freien aufhält. Das Tageslicht wirkt sich positiv aus und die Augen fokussieren sich immer wieder auf unterschiedliche Entfernungen. Das fördert die gesunde Entwicklung des Auges!

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